015 Depression – Entstehung, Symptome und Behandlung

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Was bedeutet eigentlich das Wort Depression? Bin ich Depressiv wenn ich Traurig bin?

Das Wort Depression stammt aus dem lateinischen und bedeutet Niedergeschlagenheit oder Bedrücktheit. Depressionen sind affektive Störungen. Sie sind nicht mit allgemein üblichen Schwankungen des Gefühlslebens zu verwechseln, sondern stellen eine Krankheit mit einem klar umrissenen Erscheinungsbild dar. Im Gegensatz zu einer Geisteskrankheit ist die Depression eine Gemütskrankheit und grundsätzlich vorübergehend. Die unterschiedliche Dauer und Schwere hängt mit den Ursachen und ihrer Behebung zusammen.

Diagnostik nach dem ICD10

Wie in der letzten Episode “Was bedeutet ICD10…” beschrieben lassen sich verschiedene Symptome unter einen ICD10 Schlüssel als Klassifikation für eine Erkrankung zusammenfassen.

Abhängig von dem Auftreten, der Häufigkeit und der Schwere, lässt sich eine Depression mit dem Schlüsseln F31, F32 und F33 beschreiben.

Folgende Haupt- und Zusatzsymptome sind Voraussetzung für die Diagnose einer Depression.

Hauptsymptome

  1. Fühlten Sie sich in den letzten 2 Wochen fast jeden Tag nahezu durchgängig niedergeschlagen, traurig oder deprimiert?
  2. Hatten Sie in den letzten 2 Wochen fast ständig das Gefühl zu nichts mehr Lust zu haben oder haben Sie das Interesse und Freude an Dingen verloren, die Ihnen gewöhnlich Freude machen?
  3. Haben Sie ich in dieser Zeit fast immer müde und energielos gefühlt?

Zusatzsymptome

  1. Können Sie sich nicht mehr über längere Zeit auf eine Sache konzentrieren (z.B. Zeitung lesen)?
  2. Leiden Sie an fehlendem Selbstvertrauen und/oder Selbstwertgefühl?
  3. Machen Sie sich häufig Selbstvorwürfe oder fühlen Sie sich schuldig für alles was geschieht?
  4. Sehen Sie die Zukunft schwärzer als sonst?
  5. Haben Sie in den letzten zwei Wochen manchmal gedacht, dass Sie lieber tot wären, oder haben Sie daran gedacht, sich Leid zuzufügen?
  6. Hatten Sie in den letzten zwei Wochen fast jede Nacht Schwierigkeiten ein- oder durchzuschlafen, oder haben Sie zu viel geschlafen?
  7. Hatten Sie verminderten Appetit, oder haben Sie übermäßig viel gegessen?

Erklärungsmodelle

Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle für das entstehen einer Depression.
Das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell der Depression. Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Krankheiten sind biologische, psychologische, soziale und kulturelle Faktoren zu berücksichtigen.
Biologisch:

depressive Reaktionsbereitschaft des Gehirns durch Krankheit schwere Allgemeinerkrankung, Alkoholfolgen, organisch bedingte Hirnfunktionsstörung,

Genetisch:
Angehörige 1. Grades höheres Risiko eineiige Zwillinge 50% Übereinstimmung

Psychisch:
Körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung (Burnout)
Aufopferung für andere
Geringer Input an Energie
Unfähigkeit grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen
Bore-Out
Mangelhafte Fähigkeit oder Möglichkeit, seine eigenen Ressourcen umzusetzen, sich selbst in der Welt zu realisieren.

Sozial:
Mangel an Unterstützung und Stimulation in der Herkunftsfamilie,
Fehlen von „Modellen“ (Lernen am Modell),
Zerbrechen von Beziehungsstrukturen, soziale Isolation,
Fremdkontrolle statt Selbstkontrolle
fehlende Anerkennung von Leistung,

Das Kognitives Modell (A.T. Beck 1974)
Aaron T. Beck postuliert in seinem kognitionstheoretischen Modell, auch kognitives Modell der Depression genannt, dass Depressionen auf negativen Denkschemata beruhen.

Nach dem kognitiven Erklärungsmodell handelt es sich bei der Depression um eine kognitive Störung, die auf einer verzerrten Sicht der Realität (= Denkfehler) basiert. Hierbei wird die Depression durch drei negative Ansichten (= Triade) induziert und aufrechterhalten:

  • Negative Sicht der Welt
  • Negative Sicht der eigenen Person
  • Negative Sicht der Zukunft

Die kognitive Theorie der erlernten Hilflosigkeit (Seligmann 1975) – Versuche mit Hunden.
Unter der Bezeichnung erlernte Hilflosigkeit versteht man das Resultat, das nicht vermeidbare, unkontrollierbare und wiederholte aversive Reize in einem Individuum auslösen. Dabei sind die Betroffenen der festen Überzeugung, für sie unangenehme oder schädliche Situationen nicht mehr vermeiden zu können, obwohl dies rein objektiv betrachtet möglich wäre. Die erlernte Hilflosigkeit gilt als Erklärungsansatz für die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung einer Depression

Wie lässt sich eine Depression behandeln?

Es gibt unterschiedliche Therapeutische Behandlungsmethoden.

  • Das Verhaltenstherapeutisch-kognitive Verfahren
  • Tiefenpsychologische Therapie
  • Die psychoanalytischen bzw. tiefenpsychologisch fundierten Therapie

Die pharmakologische Behandlung
Weitere Behandlungsverfahren
(körperlicher Aktivierung, wie Sport und Massagen, über Lichttherapie bis hin zu Schlafentzug
oder Schlafphasenverlagerung, Elektrokrampftherapie und Kunst- und Musiktherapie).

Die 5 Mythen der Depression

  1. Männer werden seltener depressiv
    Anne Maria Möller-Leimkühler, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München über Gender und psychische Störungen forscht, sagt deshalb: „Depressionen von Männern sind systematisch unterdiagnostiziert und untertherapiert.“ Die Aussage es werden doppelt so viele Frauen wie Männer Depressiv liegt an der Art der Diagnostik
  2. Gut gemeinte Ratschläge helfen
    „Sieh’ doch mal die positiven Dinge im Leben!“ Flapsige Ratschläge wie diese werden den wenigsten Betroffenen helfen. Im Gegenteil: Menschen mit einer echten Depression bekommen dadurch eher das Gefühl, nicht verstanden zu werden.
  3. Depressionen sind rein psychisch
    Der Auslöser für Depressionen kann vielfältig sein. So können beispielsweise genetische Veranlagung, Stress oder eine Veränderung der Anzahl an Botenstoffen in unserem Gehirn verantwortlich für Depressionen sein. Auch Kindheitstraumata, Überforderung im Job oder zwischenmenschliche Konflikte können das Risiko für die Entstehung einer depressiven Erkrankung erhöhen.
  4. Depressionen sind nicht erblich
    Depressionen können zwar nicht vererbt werden – wohl aber die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken. Wenn ein Elternteil betroffen ist, besteht für jedes Kind eine um 50 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, irgendwann selbst zu erkranken. Allerdings muss ein Auslöser hinzukommen, damit das Leiden tatsächlich ausbricht, sich depressive Symptome entwickeln.
  5. Depressionen werden immer häufiger
    Depressive Erkrankungen sind kein Phänomen der Neuzeit. Zwar scheint durch die mediale Berichterstattung die Anzahl an erkrankten Personen in den letzten Jahren gestiegen zu sein. Rein statistisch gesehen gibt es in der Bevölkerung jedoch nicht mehr Depressionen. Lediglich mehr Menschen holen sich heute Hilfe – und werden dadurch statistisch erfasst. Auch die Sensibilität der Ärzte gegenüber psychischen Erkrankungen hat sich verstärkt, was letztlich auch zu mehr Diagnosen führt

Suizid und Depression

Die Mehrheit der Menschen, die durch Suizid versterben, haben an einer psychiatrischen Erkrankung gelitten (90 %), am häufigsten an einer Depression (> 50 %).  Daneben sind Schizophrenie und Suchterkrankungen ebenfalls mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Quelle: Deutsche Depressionshilfe

Informationen für Betroffene und Angehörige

Wo finde ich Hilfe?
Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen (Hausarzt)
Im Notfall z.B. bei drängenden und konkreten Suizidgedanken wenden Sie sich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112
Krisendiensten und Beratungsstellen (Link in den Shownotes)
Deutsche Depressionshilfe Webseite(Link in den Shownotes)
Info-Telefon Depression (Der Deutschen Depressionshilfe)

Tel.: 0800 / 33 44 533

Mo, Di und Do: 13:00 – 17:00 Uhr
Mi und Fr: 8:30 – 12:30 Uhr

Deutsche DepressionsLiga e.V. (Betroffenen Vertretung)
Telefonseelsorge 0800 1110111 (24 Std. erreichbar)

Shownotes
http://www.telefonseelsorge.de/
https://www.deutsche-depressionshilfe.de
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/krisendienste-und-beratungsstellen
http://www.depressionsliga.de/
Ein Film über Depression
http://psychcast.de/
http://psychcast.de/pc052-extra-intro-zentrovertiert/
http://www.sozifon.de/
Statistik Suizid
Diskussionsforum Depression
FIDEO – Fighting Depression Online

7 Gedanken zu „015 Depression – Entstehung, Symptome und Behandlung“

  1. Hallo Ihr zwei,

    danke für diese interessante Folge. Mir brennt, ohne klugscheißen zu wollen, eine Sache unter den Nägeln, die mir wirklich wichtig ist, anzusprechen:
    Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist nicht das gleiche wie Psychoanalyse, sondern beruht lediglich auf ähnlichen theoretischen Grundannahmen. Eine “klassische” Psychoanalyse zieht sich tatsächlich über mehrere Jahre hin, mit mehreren Sitzungen pro Woche, und in dem Fall gilt auch, dass eine Besserung häufig einige Zeit auf sich warten lässt. In der TP ist das Vorgehen jedoch deutlich problemzentrierter und insgesamt kürzer, und oft tritt – wie auch in der VT/KVT – schon nach kurzer Zeit eine deutliche Erleichterung auf, allein schon, weil für viele Depressive die Erfahrung, ein- bis zweimal pro Woche ein Gespräch mit jemandem zu führen, der wohlwollend und unterstützend ist, sehr hilfreich sein kann. Auch sind die Therapieschulen mittlerweile natürlich schon lange nicht mehr so streng getrennt; so gut wie jeder tiefenpsychologische Therapeut wird verhaltensorientierte und supportive Elemente in die Therapie integrieren (genau wie so gut wie jeder Verhaltenstherapeut nicht ignoriert, dass depressive Kognitionen einen Ursprung haben, den man sich ruhig auch mal anschauen kann).
    Mir ist diese Anmerkung wichtig, weil ich es – gerade vor dem Hintergrund, dass man oft so lange auf einen Therapieplatz warten muss – schade fände, wenn jemand vor dem Podcast sitzt und den Eindruck bekommt, der Therapeut, den er gerade kontaktiert hat und in den er seine Hoffnungen setzt, taugt für sein Problem gerade nicht viel, einfach nur weil er tiefenpsychologisch arbeitet.

    Viele Grüße 🙂

  2. Hallo

    Attentäter und den Idioten mit dem Flugzeug in die Nähe der Depression zu rücken ist grob fahrlässig.
    Hier liegt wohl ein vermischen von Kausalität und Korrelation vor. Bei der Masse an Depressiven werde auch unter Mördern einige sein. Aber deswegen besteht noch lange keine Kausalität!
    Zu sowas sind Depressive gar nicht fähig! Aussnahmen bestätigen die Regel, aber schon das Fehlen von Antrieb oder positiver Motivation macht das eigentlich unmöglich. Depressive ziehen sich zurück und suchen die Menschen nicht. Auch gerade nicht wenn sie ihr leben beenden wollen.
    Mal ganz davon abgesehen, dass das mit den Diagnosestellungen nicht so gut funktioniert wie es sollte. Hier darf mal an die Abrechnugsoptimierung gerade auch mit Depressionsdiagnosen verwiesen werden.
    Damit sind solche all zu einfache Erklärung stehts zu hinterfragen und nicht zu übernehmen und schon gar nicht zu verbreiten.

    Selbsttötungen als Mord zu bezeichnen ist eine Verleumdung und darüber hinaus eine grobe Beleidigung, eine bewusste Abwertung von Menschen. Eine Verunglimpfung die aus dem religiöse Kontext kommt.
    Auf Menschen die schon am boden sind, wird so noch mal schön nachgetreten. Was natürlich um so einfacher ist, weil sie nicht mehr da sind.

    Das mit den Seretonin/Melatonin ist überholt. Wenn der Zusammenhang so wie beschrieben wäre, würde bei jedem Depressiven eine Lichtherapie wirken. Bei einigen funktioniert das, wohl eher über andere Mechanismen. Die Wirksamkeit ist aber schlechter als bei Medis, Psychotherapie oder Sport. Trotzdem immer einen Versuch wert.

    Die Lebenszeitprävalenz für Depressionen liegt bei unter 20% nicht bei 33%!
    Es sind schon viel zu viele aber nicht so viele. Und wie Ihr mehrfach angemerkt habt, nur weil es mir gerade mal nicht so toll geht, heißt das noch lange nicht depressiv.
    Um das Bild zu vervollstängen 7-8% pro Jahr.

    EKT hat nichts mit Epilepsie zu tun! Die Prozesse im Gehirn sind andere. Die Schäden im Gehirn die durch epileptische Anfälle ausgelöst werden, können bei EKT nicht nachgewiesen werden.

    Seit diesem Jahr 2018 gibt es Sprechstunden bei Psychotherapeuten und auch die Möglichkeit einer Akuttherapie.

    Ein weiterer Vorteil der Telefonseelsorge ist das sie die einzige Nummer in Deutschland ist, ist die nicht in die Vorratdatenspeicherung einfließt.
    Dann fehlt der Sozialpsychiatrische Dienst der Gemeinde bei der Aufzählung der Hilfsmöglichkeiten.
    Schön der Verweis auf die Pfarrer und Priester, aber nicht Rabbiner und Iman vergessen.

    Bei “Es gibt unterschiedliche Therapeutische Behandlungsmethoden.” fehlt die Analyse als 3. psychotherapeutische Behandlungsmethode die generell von der GKK bezahlt wird.
    Für Shownotes hätte ich noch: http://www.diskussionsforum-depression.de und http://www.fideo.de. und der Punkt ‘Statistik Depression’ ist falsch beschriften bzw falsch verlinkt. Es geht bei dem Link dahinter um Infos zu Selbsttötungen nicht Depression.

  3. @TK vielen Dank für deine kritische Auseinandersetzung mit unserer letzten Folge.

    Es ist nicht unser Ziel Betroffene irgendeiner Form zu verunglimpfen. Unser Ziel der Episode ist es über ein komplexes Thema zu informieren und im Gespräch über eigene persönliche Bezüge zu diesem Thema zu berichten. Dabei haben wir versucht Themen, die gesellschaftlich mit dem Thema Depression in Verbindung gebracht werden, zu erwähnen. Wir haben an keiner Stelle eine Kausalität zwischen einer Depression und einem erweiterten* Suizid hergstellt, sondern über ein Bild, welches in den Medien und somit in unserer Gesellschaft besteht berichtet. Es gibt Menschen, die Suizid begehen und dabei unbeteiligte dritte traumatisieren (Zugfahrer, Rettungskräfte usw.).

    Klar ist, dass Depression nicht gleich Suizid und Beteiligung Dritter bedeutet. Aber Depression ist die psychische Erkrankung mit der höchsten Suizidrate (Quelle: http://www.zeit.de/wissen/2009-11/depressionen-enke).

    Gibt es konkrete Quellen, dass der Zusammenhang bzw. die Auswirkung von den beiden Hormonen Seretonin/Melatonin als eine von viele Ursachen für eine Depression überholt sind?

    Es ist richtig, die Lebenszeitprävalenz für Depressionen liegt bei ca. 20% (Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/depression.pdf).
    Ich habe die Zahl (33%) mit der Lebenszeitprävalenz an irgendeiner psychischen Störung zu erkranken verwechselt. (http://www.psychologische-hochschule.de/wp-content/uploads/2015/03/jacobi-degs-praevalenzen-nervenarzt_2014.pdf Seite 81).

    Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) haben wir erwähnt, da es eine gute Behandlungsoption bei schwer behandelbaren Depressionen ist. Unsere Erkärung ist missverständlich bzw. der Bezug zur Epilepsie ist falsch. Was nicht vollständig falsch ist, ist, den Vorgang des EKT mit dem eines Anfalles zu vergleichen.

    “Bei einer EKT sind ähnlich wie bei einem spontanen epileptischen Anfall ein Teil der Nervenzellen im Gehirn für einen begrenzten Zeitraum im gleichen Takt aktiv. Bei einer
    Epilepsie rufen kranke Bereiche im Gehirn diese Zustände immer wieder selbst hervor.
    Bei der EKT treten sie nur auf, wenn sie durch Stromimpulse von außen dazu angeregt werden. Wichtig zu wissen: Die EKT führt nicht zum Entstehen einer Epilepsie.
    Als zweiter wichtiger Unterschied treten spontane epileptische Anfälle meist nicht unter ärztlicher Kontrolle auf, während die EKT sorgfältig durch einen Psychiater und einen
    Narkosearzt vorbereitet und überwacht werden. Beispielsweise wird der Patient vor und
    während der EKT mit Sauerstoff beatmet. Dadurch erhält sein Körper kontinuierlich ausreichend Sauerstoff. Daneben wird bei der EKT die Stärke und Dauer der Nerventätigkeit während des Anfalls kontrolliert und es kommt nicht zu einer Verkrampfung der
    Muskulatur.”
    Quelle: https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/ee634bcd0d5f404d6eb5817a7a69902f8254060a/2017-01-05_EKT_Broschuere.pdf Seite 11

    Den Link in den Shownotes wurde korrigiert.

    * Der erweiterte Suizid ist ein Suizid der „…die Tötung Dritter (meist Partner und Kinder) einher, vorweg oder in Tateinheit, mit Absicht oder mit Eventualvorsatz [beabsichtigt]. In diesen Fällen spricht man oft von einem erweiterten Suizid. Auch wenn die weiteren Getöteten nicht um ihr Einverständnis gefragt wurden, gilt die Sprachregelung erweiterter Suizid.“ (Quelle Wikipedia 10.01.2018 https://de.wikipedia.org/wiki/Suizid)

  4. > Selbsttötungen als Mord zu bezeichnen ist eine Verleumdung
    Das sehe ich etwas anders. Sprache verändert sich nunmal, und der Begriff “Selbstmord” ist einfach der gängige Begriff für Suizid (ob er nun in allen Details korrekt ist oder nicht). Unser Podcast soll ja bewusst auch so gestaltet sein, dass er von normalen Menschen ohne wissenschaftlichen Background verstanden werden kann.

    Dass jemand durch die Verwendung dieses Begriffes abgewertet (oder gar beleidigt) wird, kann hier beim besten Willen nicht sehen – und wie im Podcast erwähnt: Ich bin selber von Depressionen betroffen.

    > Ein weiterer Vorteil der Telefonseelsorge ist das sie die einzige
    > Nummer in Deutschland ist, ist die nicht in die
    > Vorratdatenspeicherung einfließt
    Das ist gut zu wissen, finde ich bei diesem Thema, wo es im Zweifelsfall um Menschenleben geht, aber vernachlässigbar. Bei so etwas geht es darum den Leuten zu helfen. Ob ein Dienst da von Vorratsdatenspeicherung betroffen ist, oder nicht, sollte kein Auswahlkriterium sein.

    Lieber Gruß,
    Dave

    1. Erstmal danke an beide für die Antworten.

      Nur weil Mord ein gängiger Begfriff für Selbsttötung ist, ist er trotzdem nicht richtig. Ich verweise nur mal auf die Unterschiede im Strafrecht woraus sich ja die allgemeine Begriffsverwendung ableitet. Oder auch die Definition laut Duden. Das (militante) Tierschützer gerne von Mord im Zusammmenhang mit dem Töten von Tieren reden kommt auch nicht von ungefähr.
      Mit dem Begriff Mord geht nunmal eine ethisch/moralische Abwertung der Tat einher. Deswegen gibt es ja in Wien einen extra Friedhof für Leichen aus der Donau und auch im islamischen Kulturkreis und Teilen des Christlichen wird alles getan um auch nur den Verdacht einer Selbsttötung zu verbergen.
      Tatsächlich ist eine solche Tat es aber fast immer ein Ausdruck tiefer Verzweiflung.
      Einfach besser aufpassen, gerade wenn man an die Öffentlichkeit geht. Mehr ist nicht nötig.

      Wenn ich mich richtig erinnere sagst du selber auch mit Selbstötungsgedanken zu tun gehabt zu haben. Wenn du das durch gezogen hättest, wärst du mit der Bezeichnung Mord auf einer Stufen mit Menschen die andere zur Tatverdeckung oder auch Habgier oder Grausamkeit umgebracht hätten. Du hättest damit als Betroffener kein Problem? Das glaube ich dir nicht.
      Bin selber übringens auch betroffen und ich habe mit dieser Abwertung ein massives Problem. Es reiht sich ein in eine ganze Reihe von Abwertungen deswegen ist ja bis heute eine psychische Erkrankung mit Makeln behaftet.

      Es ist durch aus wichtig zu wissen ob Daten auch an andere weitergereicht werden. Es gibt nicht umsonst eine Schweigepflicht für Ärzte und Anwälte sowie das Auskunftverweigerungsrecht für Journalisten. Ob jemand bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten bzw bestimmten Hilfsstellen angerufen hat, ist für viele interessant. Das fängt beim eigenen Arbeitgeber an, geht über Versicherungen, über Pharmafirmen, zu facebook und google oder auch amazon bis hin zum Scoring der Kreditwürdigkeit. Wenn die Daten einmal erhoben wurden, sind sie grundsätzlich auch für alle zugänglich. Und daraus kann einiges abgeleitet werden ob das nun zutrifft oder nicht, ist dann schon zweitrangig.
      Wie gesagt psychische Erkrankunge sind immer noch ein Stigma. Nicht um sonst wird gerne ein Erkältung vorgeschoben, statt klar zu sagen, mir geht es mies, kann gerade nicht arbeiten.

      Was das Serotonin/Melatoninmodel angeht, da muss ich mal auf dem alten Rechner suchen. Wenn es noch da sein sollte, liefere ich das nach.

  5. Hallo TK,
    ich kann Deinen Gedanken da schon durchaus nachvollziehen. Nichtsdestotrotz ist Sprache etwas, das ziemlich im Fluss ist. Die Bedeutung von Wörtern ändert sich schnell.
    Ich bin schon jemand dem richtige Ausdrucksweise wichtig ist, aber ich bin auch strickt gegen eine hochgestcohene Sprache die mit Fachwörtern gespickt ist, sondern für Alltagssprache die jeder versteht (und das als Akademiker ;-).
    Im Zweifelsfall würde ich dann eine unkorrekte Ausdrucksweise bevorzugen, die aber verständlicher ist. Also “Selbstmord” anstelle von “Suizid” oder “Selbstötung”.

    So sagen wir auch heute “Die Sonne geht auf”, obwohl dass rein phsyikalisch totaler Unsinn ist und die Sonne sich relativ zur Erde, keinen Zentimeter bewegt.

    Wenn Du hier strafrechtliche Maßstäbe ansetzen willst, wäre ein Suizid zwar kein Mord (weil keine niederen Beweggründe im Spiel sind), aber trotzdem ein “Totschlag” an sich selber, weil ein Vorsatz ja in jedem Falle vorhanden ist.
    Und hier kommen wir schon an die Grenze dessen, was sprachlich noch sinnvoll ist.

    Das ist ähnlich wie bei geschlechtergerechter Sprache. Bis zu einem gewissen Maß ist das sinnvoll (besonders Matthias macht das bei uns immmer sehr vorbildlich, während ich das oft vergesse), aber auch das hat seine Grenzen (wenn ich Wörter wie “Userinnen” sehe, kräuseln sich mir die Zehennägel).

    Eine moralische Abwertung eines Selbstmordes (nicht der Depression, wohlgemerkt) finde ich im übrigen durchaus legitim (wobei ich auch der Meinung bin, dass NIEMAND eine suizidale Person auf die gleiche Stufe mit einem “Mörder” stellen würde). Selbstmord IST zuverurteilen. Denn für Anghörige IST es letztlich wie ein Mord. Die Person wird vorsäzulich und mit Gewalt aus dem Leben gerrissen. Und genau das sind eben auch Gedanken, die MICH davon abgehalten haben… Nämlich, dass bei einem Suizid durchaus auch ein gewisser egoistischer Faktor mitspielt. “Mir geht es so schlecht, dass ich den einfachsten Ausweg wähle und das Leid meiner Familie und Freunde in Kauf nehme!”
    Ja, ist ein Suizid für Angehörige nicht unterm Strich noch viel schlimmer als ein “Mord”?

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